Psychotherapie
In einer Psychotherapie werden die psychischen Störungen von Kindern und Jugendlichen behandelt. Psychische Störungen können vorliegen, wenn ein Kind über längere Zeit in seinem Verhalten oder Erleben auffällig ist. Wirkt es etwa häufig traurig oder ängstlich? Leidet es unter unklaren Kopf- oder Bauchschmerzen oder nässt es ein? Traut es sich nichts zu oder zweifelt es an sich selber? Ist es verlegen oder schüchtern? Gibt es ständig Streit mit den Geschwistern? Führt die Erledigung häuslicher Aufgaben ständig zu Konflikten in der Familie? Ist es oft unruhig, unaufmerksam oder schnell aufbrausend? Wird es leicht wütend oder aggressiv? Zieht es sich zurück oder findet es keine Freunde?
Kinder mit Lern- und Leistungsstörungen leiden besonders häufig unter psychischen Störungen. Bis zu 60% sind davon betroffen. Kinder lernen unentwegt und die dabei auftretenden Gefühle hinterlassen tiefe Spuren in ihrem Gedächtnis. Die Welt wird als unkontrollierbar erlebt, Misserfolge führen zu Unlust. Ungeliebte Tätigkeiten werden gemieden und dadurch auch nicht mehr gelernt. Scheitern löst Scham aus. Das Selbstwertgefühl ist verletzt. Eltern und Lehrer sorgen sich, wichtige Beziehungen werden belastet.
Vorrangiges Ziel der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie ist es, die altersgemäße Entwicklung eines Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern. Eine drohende seelische Behinderung soll verhütet und dem Kind eine altersgemäße Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ermöglicht werden. Die einzelnen Behandlungselemente sollen die psychischen Probleme eines Kindes beseitigen. Eltern sollen bei der Gestaltung der familiären Beziehungen unterstützt und Lehrer bei der angemessenen Förderung beraten werden.
Wie wirkt Psychotherapie?
Grundlage jeder Psychotherapie ist eine verlässliche therapeutische Beziehung, in der das Kind Wertschätzung sowie eine Förderung seiner Fähigkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten erfährt. Dazu muss sich ein Kind in der Therapie verstanden und aufgehoben fühlen.
Abhängig vom Störungsbild kann eine Psychotherapie ganz unterschiedliche Interventionen beinhalten. Immer sollen jedoch mit Hilfe wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren die Kompetenzen des jungen Menschen erweitert werden. Lernt ein Kind in der Therapie altersgemäße Anforderungen zu bewältigen und sich selbst sowie andere besser zu verstehen, wird es auch die vor dem Hintergrund einer Lernstörung oft entstehenden psychischen Störungen überwinden.
LITERATUR
Schulte-Körne, G.: The prevention, diagnosis, and treatment of dyslexia. Dtsch. Ärztebl. Int. 2010; 107(41): 718–27. DOI: 10.3238/arztebl.2010.0718
Grawe, Klaus: Neuropsychotherapie. Hogrefe 2004