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Legasthenie

Kinder mit Legasthenie leiden unter einer Störung des Schriftspracherwerbs. Sie bleiben bereits in den ersten Phasen des Lesen- und Schreibenlernens zurück, haben Schwierigkeiten, das Alphabet aufzusagen, die Buchstaben korrekt zu benennen, Buchstaben zusammenzuschleifen oder einfache Wortreime zu bilden.

Beim Vorlesen treten Fehler auf, die sich im Auslassen, Ersetzen, Verdrehen oder Hinzufügen von Worten, Wortteilen oder von Buchstaben innerhalb der Wörter zeigen. Auffällig sind Fehler beim Auffinden des Satz- oder Zeilenbeginns und niedrige Lesegeschwindigkeit. Gelesenes wiederzugeben oder aus Gelesenem Schlüsse zu ziehen fällt ihnen schwer.

Beim Schreiben kommt es zu Verdrehungen von ähnlich aussehenden Buchstaben (b-d, p-q, u-n) und Umstellungen von Buchstaben im Wort. Auslassungen von Buchstaben, Einfügungen von Buchstaben sowie Vertauschungen von akustisch ähnlichen Buchstaben führen zu „Wortsalat“. Das Geschriebene ist für den Leser kaum zu entziffern. Und die Kinder bemühen sich und versagen doch immer wieder. Oft verlieren sie dann die Lust am Lesen und Schreiben und beginnen diese Tätigkeiten zu vermeiden und zu verweigern. Sie gehen nicht mehr gerne zu Schule. Die Hausaufgaben werden zu einem alltäglichen Konflikt.

Kinder mit einer Legasthenie können nicht verstehen warum sie etwas nicht schaffen, was anderen scheinbar mühelos gelingt. Sie erleben sich als unfähig. Dann werden sie oft noch ermahnt, schlecht benotet oder bloßgestellt. Manchmal wird ihnen Dummheit oder fehlender Wille unterstellt. Sie erleben Wochen, Monate oder gar Jahre der Enttäuschung und sind früher oder später am Ende ihrer Geduld und Kraft. Das ständige Erleben von Misserfolgen führt zu Selbstzweifeln. In der Folge treten häufig Ängste oder depressive Verstimmungen auf. Typisch dafür sind im Zusammenhang mit Schulleistungsanforderungen auftretende psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Auch Symptome der Unruhe, Konzentrations- und Disziplinschwierigkeiten lassen sich beobachten.

Unabhängig von der Kultur gibt es Legasthenie in allen Schriftsprachen der Welt. Statistisch befinden sich in jeder Schulklasse 1 – 2 Kinder mit Lese- Rechtschreibstörungen. Doch sie können nichts für ihr Problem. Sie sind nicht faul, sie sind nicht dumm. Lediglich ihr Gehirn funktioniert ein wenig anders.