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Dyskalkulie

Kinder mit Dyskalkulie leiden unter einer Störung des Rechenerwerbs. Sie haben kein Verständnis für Mengen und Zahlen und es fehlen ihnen erfolgreiche Strategien im Umgang damit.

Kinder mit einer Rechenstörung können Mengen schlecht erfassen und einschätzen. Zahlwörtern oder Ziffern können sie keine konkrete Menge zuordnen. Sie machen Fehler bei der Übertragung einer Ziffer in die mündliche oder schriftliche Form. Statt einundzwanzig lesen sie etwa 12 und statt 84 schreiben sie achtundvierzig.

Konkrete Objekte wie Punkte oder Steine abzuzählen fällt ihnen schwer. Beim Vorwärtszählen überspringen sie Zahlen und beim Rückwärtszählen wechseln sie ins Vorwärtszählen.

In der Regel haben sie mit dem Zahlenraum bis 20 große Probleme und beherrschen am Ende der zweiten Klasse noch nicht den Zahlenraum bis 100. Die Zehnerüber- oder -unterschreitung stellt ein großes Hindernis dar und Zehner- Hunderter- oder Tausenderübergänge beachten sie nicht. Finger und umständliche Zählstrategien benutzten sie noch in der  vierten Klasse. Bei Multiplikationsaufgaben addieren sie, indem sie die jeweilige Rechenreihe hoch zählen. Die Stellen einer Zahl, die Einer, Zehner, Hunderter usw. können sie nicht benennen und beim schriftlichen Rechnen schreiben sie die Stellen falsch untereinander.

Bei Überschlagsrechnungen scheitern sie und unmögliche Rechenergebnisse erkennen sie nicht.

Ähnliche Aufgabenstellungen fallen ihnen nicht auf und jede Aufgabe wird immer wieder neu bearbeitet. Beim Kopfrechnen vergessen sie die Zwischenergebnisse und beginnen immer wieder von vorn zu rechnen. Rechenzeichen vertauschen sie (2 + 4 = 8) und einen Wechsel von Rechenzeichen beachten sie nicht.

Kinder mit Rechenstörungen leiden häufig auch unter weiteren Auffälligkeiten. Internationale Studien belegen, dass etwa die Hälfte dieser Kinder auch unter Defiziten beim Schriftspracherwerb leiden. Ebenfalls kommt es bei einer Dyskalkulie häufig zu einem gleichzeitigen Auftreten von Aufmerksamkeitsstörungen. Dies umso mehr, wenn neben einer Rechenstörung eine Lese- Rechtschreibstörung vorliegt. Auch Störungen der visuell-räumlichen Wahrnehmung, des Gedächtnisses und der exekutiven Funktionen werden sehr häufig im Zusammenhang mit einer Dyskalkulie beobachtet. 

Von besonderer Bedeutung sind die psychischen Auffälligkeiten. Ängste, Depressionen oder Störungen des Sozialverhaltens treten etwa bei einem Drittel der Kinder mit Dyskalkulie auf. Kinder, die beim Rechnen einer Aufgabe scheitern, strengen sich zunächst besonders an um doch noch zum richtigen Ergebnis zu kommen. Da es beim Rechnen immer ein richtiges Ergebnis gibt, sind auch Misserfolge eindeutig. Häufen sich Misserfolge beginnt das Kind Rechenaufgaben zu vermeiden oder zu verweigern. Negative Rückmeldungen von Eltern und Lehrern oder Hänseleien anderer Kinder führen zu Versagensängsten. Das Kind hält sich für dumm und resigniert. Rechenaufgaben erscheinen ihm als unüberwindbare Herausforderung.